HVMV

Handballverband Mecklenburg/Vorpommern e.V.

Freude am Ehrenamt

Jul 10, 2022

Jan Holze aus Schwerin neuer Präsident des Handballverbandes MV

In den Handballvereinen des Landes kannte ihn kaum jemand. Doch wie er sich auf dem Verbandstag des Handballverbandes Mecklenburg-Vorpommern (HVMV) als Kandidat für die Nachfolge von Präsident Peter Rauch vorstellte, das überzeugte. Die Delegierten wählten Jan Holze, der einen Gegenkandidaten hatte, mit sehr großer Mehrheit. Der Schweriner ist der vierte und mit 41 Jahren jüngste HVMV-Präsident. Um ihn ein wenig kennen zu lernen, stellte ihm Rüdiger Rump zehn Fragen.


Du hast als Jugendlicher beim SV Fortuna Neubrandenburg angefangen und zehn Jahre Handball gespielt. Wie kam es dazu?
Ich fing eigentlich mit dem Schwimmsport an, weil ich nach Sichtung wohl ideale körperliche Voraussetzungen dafür mitbringen würde. Mit sechs Jahren sollte ich dann bei einem
Wettkampf auf der Mittelbahn schwimmen. Ich hatte Angst, da der Rand so weit weg war. Ich verließ daraufhin den Schwimmsport und ging zum Handball, weil das Training nah bei meinem Elternhaus auf dem Neubrandenburger Datzeberg stattfand.


Auf welcher Position wurdest Du eingesetzt?
Anfänglich Rückraum links, da ich schnell in die Höhe gewachsen war und einen langen Arm hatte. Später spielte ich am Kreis, da mich das Wachstum anderer Spieler überflügelt hatte.


Interessieren sich deine Söhne auch für Handball?
Ja, meine drei kleinen Söhne interessieren sich dafür, spielen aber mit Leidenschaft gern Hockey, da meine Frau ihnen sehr früh nach dem Eltern-Kind-Turnen einen Schläger in die Hand gedrückt
hatte.


Warum hast Du als Präsident des HVMV kandidiert?
Zum einen engagiere ich mich gern ehrenamtlich, was sicherlich auch durch meine berufliche Aufgabe als Vorstand der in MV ansässigen Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt
nachvollziehbar ist. Zum anderen ist Handball mein Sport, der mich geprägt hat, für den ich mich gern engagieren möchte. Bestmögliche Rahmenbedingungen für alle Altersgruppen und
Leistungsklassen im Handballsport in MV zu schaffen, ist mein Ziel.


War deine Frau davon begeistert?
Begeistert ist die falsche Kategorie. Sie selbst ist ebenfalls intensiv ehrenamtlich im Sport engagiert. Daher konnte sie meinen Enthusiasmus nachvollziehen und unterstützt mein Engagement.


Kurz zur Wahl, die geheim ablief, weil ein Gegenkandidat vorgeschlagen wurde. Was ging dir in der Zeit durch den Kopf?
Ich hätte auch ohne einen Gegenkandidaten auf einer geheimen Wahl bestanden, weil ich ein ehrliches Votum wollte. Zudem gehört es in einer Demokratie – und die findet auch im Verein statt –
dazu, dass sich Menschen um Funktionen bewerben, um Zustimmung werben und das Ergebnis akzeptieren müssen. Ich finde es gut, wenn die Delegierten eine Wahl zwischen Alternativen haben.


Wie willst Du die Handballvereine erreichen und gemeinsam mit dem Präsidium entwickeln helfen?
Zunächst einmal will ich in den Austausch mit den Vereinen kommen; auf Augenhöhe. Ich will erfahren, wo der Schuh drückt und natürlich das Signal aussenden, dass ich sowie meine
Präsidiumskolleginnen und -kollegen jederzeit für die Sorgen und Nöte unserer Vereine ansprechbar sind. Der Verband ist für die Vereine dar, nicht umgekehrt.


Wo siehst Du nach einem ersten Überblick die Schwerpunkte?

Zunächst will ich mir den besagten Überblick verschaffen. Aber es deutet sich an, dass wir uns das Schiedsrichterwesen intensiv anschauen müssen und neue Handlungsansätze verfolgen müssen. Zudem liegen mir der Leistungssport wie der Breitensport am Herzen. Aber auch neue Entwicklungen wie den Beachhandball gilt es mit unseren Voraussetzungen in MV intensiv in den Blick zu nehmen. Bei diesen Themen will ich mir auch anschauen, wie es andere Sportarten und Bundesländer machen.

Was ist dir an der Spitze des Verbandes am wichtigsten?
Mir ist ein kollegiales Klima im Haupt- und Ehrenamt wichtig, das sich in der Zusammenarbeit mit
den Vereinen fortsetzt. Ohne ein partnerschaftliches Zusammenwirken auf allen Ebenen des
Handballsports in MV werden wir unseren Sport nicht zukunftsfest machen können.


Zuletzt ein Blick zurück. Du warst vier Jahre Vorsitzender der Deutschen Sportjugend. Woran erinnerst Du dich besonders gern?
Ebenfalls ein spannendes Ehrenamt. Ich erinnere mich gern an die intensiven Diskussionen rund um das Thema Kinderschutz im Sport. Hier konnten wir mit der Einführung verschiedener Maßnahmen
auf Ebene des Deutschen Olympischen Sportbundes, dessen Präsidium ich als
DSJ-Vorsitzender ebenfalls angehörte, und der Sportjugend entscheidende Schritte zur Umsetzung von Schutzkonzepten im Sport machen.

Zur Person
– Geboren im Januar 1981 in Stralsund, verheiratet mit Kerstin Holze, drei Söhne (10, 8 und 5 Jahre), jetzt in Schwerin
– Abitur 1999 in Neubrandenburg, 2000-2006 Studium der Betriebswirtschaftslehre an den Universitäten Rostock, Nantes und Moskau zum Diplom-Kaufmann, Zweitstudium in Rechtswissenschaften ab April 2006 an der Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt/Main und ab 2007 an der Westfälischen Wilhelm-Universität Münster mit zweitem Staatsexamen 2013
– 2013-2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Münster, 2015 bis 2020 Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Ehrenamtsstiftung MV, ab Mai 2020 Gründungsvorstand der Deutschen
Stiftung für Engagement und Ehrenamt mit Sitz in Neustrelitz, ebenfalls seit 2020 Mitglied des Zukunftsrates von MV
– ab 1995 Mitglied bei Fortuna Neubrandenburg und zehn Jahre aktiver Handballer sowie Jugendsprecher des Vereins
– 1998 bis 2012 ehrenamtliches Vorstandsmitglied der Sportjugend MV, 2005 bis 2011 als Vertreter des Deutschen Nationalkomitees für Internationale Jugendarbeit im Rat der Mitglieder des Europäischen Jugendforums, 2005 bis 2015 Vorsitzender der Jugendorganisation der ENGSO, einer pan-europäischen Organisation für nationale Sportverbände und/oder nationale olympische Komitees, 2015 bis 2017 ENGSO-Vizepräsident
– im Oktober 2016 mit 97,5 Prozent der Stimmen zum Vorsitzenden der Deutschen Sportjugend (DSJ) in geheimer Wahl gewählt und damit im Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sowie im Vorstand der Deutschen Olympischen Akademie Will Daume, 2020 wegen neuer beruflicher Aufgabe nicht zur Wiederwahl gestellt

Bildtext

Erste Glückwünsche für Jan Holze zur Wahl als HVMV-Präsident von Frauenwartin Brigitte Franz. Foto: Rüdiger Rump