Talenteschmied bis heute

Apr. 27, 2026

Der Rostocker Gerhard Schumacher gewann mit seinen Mannschaften Meistertitel, ebnete späteren Nationalspielerinnen den Weg und wurde jetzt vom DHB ausgezeichnet

Dieses Finale bei der Handball-Weltmeisterschaft der Frauen 1993 in Norwegen bleibt ihm ewig in Erinnerung. Deutschland gewinnt in der Verlängerung gegen Dänemark und wird Weltmeister. In der Stammformation stehen mit Andrea Stein, Heike Dombrowski und Birgit Wagner drei Spielerinnen, die beim SC Empor Rostock ausgebildet und zu internationaler Klasse geführt wurden, fünf Jahre lang von der 7. bis 11. Klasse von Gerhard Schumacher. Er unterrichtete seinerzeit an der Kinder- und Jugendsportschule (KJS) Rostock, neben Sport übrigens Musik. Der erfolgreiche Nachwuchstrainer im weiblichen Bereich hat großen Anteil an der Entwicklung von 35 der insgesamt 38 Nationalspielerinnen, die der Rostocker Frauenhandball hervorgebracht hat, von Hannelore Roloff bis Nele Reimer, die nach mehreren Stationen nun als Kapitän des Rostocker HC in der 2. Bundesliga aufläuft. Für seine langjährige Tätigkeit bis heute wurde Schumacher, mittlerweile 83 Jahre, nach einer Reihe von Anerkennungen jetzt mit der Ehrennadel des Deutschen Handballbundes (DHB) in Bronze ausgezeichnet.

Zu den drei Weltmeisterinnen hat Schumacher noch immer Kontakt. „Sie haben ihren ‚alten‘ Trainer nicht vergessen.“ Ganz besonders zu Andrea Bölk-Stein, die nach der Wende zum Buxtehuder SV wechselte und insgesamt 201 A-Länderspiele bestritt. Schon deren Mutter Inge Stein hatte das Nationaltrikot getragen, und Tochter Emily, verheiratete Vogel, gehört zu den Stützen der heutigen DHB-Auswahl, die im Dezember 2025 Vizeweltmeister geworden ist. Dominik Axmann, Sohn von Heike Dombrowski, verheiratete Axmann, spielt beim HSV Hamburg in der 1. Bundesliga.

Empor-Cheftrainer Heinz „Aki“ Schmidt holte Schumacher 1964 von der BSG Einheit zum aufstrebenden Sportclub. „Rainer Päplow, Peter Itner und ich wurden am 1. Mai im Sportforum ganz feierlich aufgenommen“, erinnert sich der 83-Jährige, der bereits 1966 Ehrenmitglied des SC Empor wurde. „Wir sollten die Nachwuchsarbeit ankurbeln als Grundlage für den Weg an die Spitze, Peter Itner männlich, Rainer Päplow und ich weiblich.“ Was dann auch gelang mit einer Vielzahl an Titeln bis zur Saison 1989/1990 in der Altersklasse 14/15. Dafür stehen Namen wie Karl-Heinz „Kalle“ Schwarck, Dieter Kordt, später Ute Lemmel und eben Gerhard Schumacher. „Es gibt eine ewige Tabelle im Nachwuchsbereich. Wir als SC Empor werden da auf Platz eins geführt“, hat er Bernd-Dieter Herold erzählt, der eine Vielzahl von Beiträgen für die Norddeutschen Neuesten Nachrichten (NNN) schrieb. Beide saßen auf einer Schulbank und sind bis heute befreundet. Herold wurde einst mit der A-Jugend DDR-Meister, bevor jeder seinen Weg ging.

Die Empor-Frauen gewannen sechs DDR-Meistertitel und schafften es 1968 bis ins Europacup-Finale gegen Zalgiris Kaunas (11:13). Schumacher brachte es im Nachwuchsbereich mit den Empor-Mädchen auf 15 Meistertitel und mit der Rostocker Bezirksauswahl auf acht Siege bei der DDR-Spartakiade, die alle zwei Jahre stattfand. Auf die Frage, ob er sich an einen Erfolg besonders gern erinnert, nennt er nach kurzem Überlegen den ersten Meistertitel 1968. Die Männer vom SC Empor, die männliche Jugend A und seine weibliche Jugend C, seinerzeit Jahrgang 1953, wurden alle in dem Jahr DDR-Meister. Im Raum 37 der Fiete-Reder-Halle in Marienehe durfte sich Schumacher eine kleine Traditionsecke einrichten mit allen Medaillen, Wimpeln und Anerkennungen, „richtig schön gestaltet“, wie er findet.

Seine Frau hat der gebürtige Rostocker natürlich auch durch den Handball kennen gelernt. Sie spielte bei Fiko Rostock in der DDR-Liga. Beide sind inzwischen 53 Jahre verheiratet.

Episoden aus seinem Handball-Leben könnten Seiten füllen. Eine ragt für ihn heraus: Schweriner Volkszeitung und NNN hatten aufgerufen, Vorschläge zu machen, wer sich im Nachwuchsbereich besonders verdient gemacht hat und dafür mit einer Reise zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking ausgezeichnet werden könnte. „Bei der Verlosung unter 50 Bewerbungen aus verschiedensten Sportarten wurde ich gezogen und durfte meine beste Handballerin mitnehmen. Das war Franziska Steffen, Mannschaftskapitän vom Jahrgang 1985“, erinnert sich Schumacher sehr gern.

Das Handballtraining lässt den Rostocker Talenteschmied auch mit 83 nicht los. Er hat beim SV Eintracht drei Mannschaften unter seinen Fittichen, die E- und D-Jugend sowie die Minis, die 2018 und 2019 geboren wurden. „Es sind tolle Mädchen, so richtig begeistert dabei. Da kann einem schon das Herz aufgehen.“ Und vielleicht geht es für manche weit nach oben.

Rüdiger Rump

Bildtext

Gerhard Schumacher erhielt die Ehrennadel des DHB in Bronze, überreicht von Brigitte Franz, Vizepräsidentin im Handballverband Mecklenburg-Vorpommern.

Foto: Georg Scharnweber/NNN