Tradition trifft Erfolg und kämpft um die Zukunft

Mai 22, 2026

Empor-Handball in Rostock blickt auf 70 Jahre und zahlreiche Titel zurück – jetzt geht es um die Rückkehr in die 2. Bundesliga

70 Jahre Empor-Handball, sieben Jahrzehnte eine wechselvolle Geschichte mit Höhen und Tiefen: In diesem Frühjahr wurde in der Hanse.Messe an das runde Jubiläum erinnert. Der heute 94-jährige Gerd Langhoff, 20-facher Nationalspieler, blickt zurück. „Im November 1954 wurde der SC Empor gegründet. Wir als Handballer hatten von 1953 bis März 1956 vier Jahre in Serie als BSG Motor den Hallentitel geholt. Um noch leistungsorientierter unseren Sport betreiben zu können, wurden wir in den SC Empor delegiert.“

Gleich ein Jahr später setzten die Ballkünstler unter Spielführer „Fiete“ Reder, Klaus-Dieter Matz und Günther „Paule“ Mundt ein besonderes Ausrufezeichen. Mit einem 17:15 (8:12)-Sieg über Motor Eisenach wurde die erste Meisterschaft unter der Empor-Flagge errungen. Reder hatte damals das Signal zur Aufholjagd gegeben. Auch drei „Raketen“ des Linkshänders Heinz Wahl, Vater des erfolgreichsten deutschen Auswahlakteurs Frank-Michael „Potti“ Wahl, schlugen im Kasten der Thüringer ein.

Das war der Beginn einer einzigartigen Epoche: Bis zur Wende sollten sechs weitere DDR-Titel und von 1980 bis 1989 sieben FDGB-Pokalsiege folgen. Höhepunkt der einzigartigen Erfolgsgeschichte war unter Trainer Heinz Strauch zweifelsohne das Jahr 1982 mit dem Gewinn des Europacups der Pokalsieger über Dukla Prag (14:17/22:18) und durch ein 31:27 über Honved Budapest der Titel des Europameisters für Vereinsmannschaften.

Werden ehemalige Spieler nach dem Erfolgsrezept gefragt, so sagt der 144-fache Nationalspieler Klaus Langhoff: „Es war in einer sehr intensiven Sichtungs- und Jugendarbeit begründet. Selbst über die Schulen wurden Talente für den Handball begeistert. Auch wurden die besten Jugendlichen, wie zum Beispiel ,Jimmy‘ Prüsse aus Wismar und ,Gunnar‘ Gernhöfer aus Neustrelitz zum SCE delegiert.“ Der heute 87-Jährige war selbst am ersten deutschen Meistertitel der A-Jugend 1957 beteiligt. Es folgten zwischen 1960 und 1961 zwei auf dem Feld, 1964 das Double Feld/Halle mit Reiner Ganschow im Team, 1968 und 1992 weitere erste Plätze. Aus dem Empor-Jugendbereich wurden später von B (Wolfgang Böhme) bis W (Bodo Wieland) 26 Nationalspieler entwickelt.

Nach der Wende wurde es um die sportlichen Erfolge des Traditionsvereins ruhiger. In Schlagzeilen geriet der Verein überwiegend durch wirtschaftliche Probleme. Dass Empor überhaupt das Jubiläum begehen kann, ist vordergründig ein Verdienst von Jens Gienapp, der sich von 2007 bis 2018 an die Empor-Spitze stellte, einen mit einer hohen sechsstelligen Zahl verschuldeten Verein übernahm. „Dank Unterstützung durch die Ospa sowie weitere Förderer konnte durch ein Sanierungskonzept das Aus verhindert und nach zwei Anläufen die Lizenz für die 2. Bundesliga erhalten werden.“

Auch als heutiger Drittligist ist Empor nicht sorgenfrei. Gienapp-Nachfolger Tobias Woitendorf: Für einen HCE in der 2. Bundesliga brauchen wir neben der gelösten Hallenfrage auch professionellere Strukturen und eine größere wirtschaftliche Basis. Da liegt noch ein Stück Weg vor uns, und da müssen wir alle an einem Strang ziehen.“ Auf dem Weg zurück in Liga zwei steht also noch eine hohe Hürde.

Bernd-Dieter Herold/NNN

Bildtext

Empor-Legenden am Rande des Spiels gegen Braunschweig 2024 in der Rostocker Stadthalle.
Foto: Georg Scharnweber/NNN