Frank-Michael Wahl donnerte den Handball mit bis zu 160 km/h ins gegnerische Tor, bestritt 344 Länderspiele und traf dabei 1412 Mal – jetzt wurde er 70
Er war als linker Rückraumspieler der Mann mit einer richtigen rechten „Klebe“. So mancher Torhüter kann ein Lied davon singen. Mit bis zu 160 km/h schlugen die Würfe des 344-fachen Nationalspielers im Gehäuse ein. Allein in Auswahltrikots der DDR (313) und der BRD (31) traf Frank-Michael Wahl 1412 Mal ins Schwarze. In dieser Woche beging „Potti“ seinen 70. Geburtstag – herzlichen Glückwunsch!
„Den 60. Ehrentag hatte ich noch groß gefeiert, mit ehemaligen Weggefährten eine große Sause gemacht“, sagt der Ehren-Spielführer der deutschen Nationalmannschaft. Der Kreis wird diesmal kleiner sein. Der frühere Akteur des SC Empor Rostock, Vater von Tochter Vivien (38) und Sohn Gordon (45): „Der neue runde Ehrentag ist ganz in Familie vorbehalten. Natürlich sind auch die drei Enkel mit dabei.“ Und fügt hinzu: „Ich bin froh, dass ich den heutigen Tag noch erleben darf.“
Die Gedanken des in Hessisch Oldendorf Wohnenden gehen an den 30. August 2023 zurück: „Morgens Anruf bei meiner Lebensgefährtin Simone. Mit bereits undeutlicher Stimme teilte ich ihr die Vermutung eines Schlaganfalls mit.“ Simone reagierte sofort, ruft die Rettung. Das große Glück: Unweit des Anwesens von Wahl befindet sich eine Spezialklinik für derartige Fälle. Es wurden sechs Monate im Krankenhaus. Der 1,90 Meter-Mann hat das Schlimmste überstanden.
Sein Vater Heinz, 1957 mit dem SC Empor DDR-Meister und später als Linkshänder bei Lok Rostock, besaß eine erhebliche Aktie am sportlichen Werdegang seines Sohnes. Er meldete den Filius zuerst beim Schwimmen an. „Mehrfach Spartakiade-Sieger und sogar DDR-Jugendmeister über 100 Meter Schmetterling wurde ich“, ist Wahl noch heute stolz. Diese Laufbahn nahm aber ein abruptes Ende. Ärzte prophezeiten ihm mit damals 1,81 Meter Größe ein Wachstumsende, empfahlen die Badehose an den berühmten Nagel zu hängen. „Ich kam heulend nach Hause, schmiss die Sachen in die Ecke. Mein Vater fing mich auf, brachte mich mit 16 Jahren 1973 zu Empor“, blickt der nun 70-Jährige zurück.
Die Erfolge stellten sich schnell ein. Ein Jahr später bereits Jugend-Nationalmannschaft, 1975 Sprung in das Empor-Männerteam sowie quasi als Durchmarsch nach ganz oben 1976 das erste Länderspiel gegen Ungarn mit drei Wahl-Toren. Daraus wurden die bisher von keinem Nachfolger erreichten 1412 „Buden“. Seine Bilanz ist einmalig: Olympiasieger 1980 in Moskau, WM-Medaillengewinner, vier Berufungen in die Weltauswahl, 49 Europapokalspiele, als Höhepunkte 1982 Europapokalsieger und Vereins-Europameister mit dem SCE. Dazu dreifacher DDR-Meister, allein sieben Mal Pokalsieger und, und und…
Die Mauer fiel, der gelernte Maschinen- und Anlagenmonteur brach sein DHfK-Fernstudium ab. Er hatte 1990 die freie Wahl, ging aber nicht zum THW Kiel, VfL Gummersbach oder TV Großwallstadt, sondern zum Zweitligisten VfL Hameln. „Der bot mir mit der Bausparkasse BHW im Rücken auch eine berufliche Perspektive“, blickt der ausgebildete Bankkaufmann zurück.
Wahl stieg mit Hameln nach einer Saison in die 1. Bundesliga auf, wurde nach dem Karriereende im Mai 1994 Sportlicher Leiter des VfL, Co-Trainer an der Seite des heutigen Nationalcoaches Alfred Gislason. Nach dessen Entlassung wurde er Teamchef der Hamelner. Doch dann das: „Ich führte den Verein an die Spitze der 2. Bundesliga. Vier Spieltage vor Ende der Saison 1999/2000 besaßen wir sieben Punkte Vorsprung auf den Zweiten. Da entließ man mich!“ Heute kann „Potti“ darüber lächeln. „Danach hatte ich mir geschworen, im Profi-Bereich nie wieder an der Seitenlinie verantwortlich zu sein. Es ist ein Schleudersitz.“
Und doch wurde aus dem als Hobby rote Rosen züchtenden Wahl erneut ein Trainer – bei der BHW. Er dozierte auf zweiwöchigen Lehrgängen Berufseinsteigern, wie Kundengespräche geführt, ihnen das BHW-Portfolio und Geldanlagen nahegebracht und zum Abschluss geführt werden können. „Eine bis zum Renteneintritt fordernde Aufgabe“, erklärt er.
Bernd-Dieter Herold/NNN
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Frank-Michael Wahl fühlt sich wohl in seinem Garten, in dem er rote Rosen züchtet. Foto: Privat